Konzert Posaune und Orgel

Samstag, 26. August 2023
Um 19:00 Uhr


Duo GlossArte
Juan González Martínez, Posaune
Lea Suter, Orgel

Foto: Jannis Dirksen

Robert Schumann (1810–1856)
Skizzen für Pedalflügel Op. 58
Nr. 3 Lebhaft (Orgel)

Friedrich August Belke (1795–1874)
Fantasia Op. 58

Max Reger (1873–1916)
Romanze

Franz Liszt (1811–1886)
Aria «Cujus animam» aus «Stabat mater»
von G. Rossini 1860-70

Robert Schumann
Fuge über B-A-C-H Op. 60
Nr. 3 «Mit sanften Stimmen» (Orgel)

Gustav Adolf Merkel (1827–1885)
Arioso

Richard Eckhold (fl 1871–1903)
Adagio

Max Peters (1849–1927)
Elegie Op. 9

Robert Schumann
Studien für Pedalflügel Op. 56
Nr. 4 «Innig» (Orgel)

Friedrich August Belke
Fantasia über ein Motiv aus der Kantate «Der Ostermorgen»
Der Atem des Jugendstils – ein Hauch von Romantik

Jugendstil, Art nouveau, Modernisme, Fin de siècle: Das sind viele Namen für eine kunstgeschichtliche Epoche, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte. Die meisten von uns kennen und lieben die prächtigen floralen Elemente auf Jugendstilfenstern oder – türen, die herrlich geschwungenen Formen entsprechender Möbel und Gebrauchsgegenstände, wir alle schwelgen gerne in den Jugendstil-Abteilungen historischer Gebäude und Museen.

Nur: Vom Klang dieser Zeit wissen wir erstaunlich wenig! Dass das Duo GlossArte, bestehend aus Lea Suter, der Virtuosin auf historischen Tasteninstrumenten, und Juan González Martínez, dem Spezialisten für historische Posaunen, dies nun ändern möchte und kann, verdankt sich einem fantastischen Fund: Einem original erhaltenen Satz von vier Posaunen aus den 1920er Jahren.

Fasziniert vom besonders weichen, modellierbaren Klang dieser Instrumente, stellten Lea Suter und Juan González Martínez auch bald fest, wie hervorragend sich dieser mit weichen Orgelregistern mischt. Um diese sanften, ungemein berührenden Klänge nun tatsächlich im Sinne der Epoche zu Gehör bringen zu können, machten sie sich also auf die Suche nach entsprechender Musik dieser Zeit.
Heraus kam ein Programm mit Werken von sehr berühmten Namen wie Robert Schumann oder Franz Liszt über Posaunenvirtuosen wie Friedrich August Belcke bis hin zu Tastenspezialisten wie Max Peters. So können sich die Konzertbesucher hier auf eine abwechslungsreiche Mischung aus hochvirtuosen Duos für Posaune und Orgel und anspruchsvoller Solo-Literatur für beide Instrumente freuen. Und wer dabei die Augen schließt, kann sich zurückversetzen in eine Epoche voller raffinierter Ornamente, dekorativer Ranken und filigraner Verzierungen –– in Bild und, endlich, auch in Klang!
Posaunenvirtuosentum im 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts zog die Posaune als Soloinstrument in die Konzertsäle ein. Einer der ersten Virtuosen, der in vielen Kritiken und Beschreibungen seiner Zeit ein hoch gelobter Posaunist war, ist Friedrich August Belcke(1795-1874), Sohn einer Luckaer Musikerdynastie.

Seine außerordentliche Begabung brachte ihm 1815 zum Gewandhausorchester in Leipzig und später zur Königlichen Kapelle in Berlin, wo er bis zu seiner Pensionierung 1858 spielte. Konzerte führten ihn durch ganz Europa,bei denen er häufig eigene Kompositionen vortrug. Belcke erhielt unter anderen Auszeichnungendie Medaille des Pariser Conservatoriums und später den «Roten-Adler-Orden». Viele seiner Kompositionen sind in Abschriften von Paul Wesche (1867–1940) in seinem Nachlass überliefert.
Weschke der «Altmeister der Posaune» oder auch der «Posaunen-Paganini» genannt, gehört zu den letzten Posaunenvirtuosen seiner Epoche nach der Solistentradition von Friedrich August Belcke. Als erster Professor für Posaune in Deutschland war Weschke an der Berliner Musikhochschule rund 30 Jahre tätig und prägte eine ganze Generation von Posaunisten. Er spielte unter anderem am Hoftheater in Oldenburg und in Schwerin. 37 Jahre lang war er Hofkammermusikus an der Berliner Königlichen Kapelle, die heutige Staatskapelle Berlin.

In Weschkes Nachlass befinden sich neben den Werken von Belcke auch Abschriften des Adagios von Richard Eckhold (fl. 1871–1903), sowie das Arioso von Gustav Adolf Merkel (1827–1885). Über Eckhold ist wenig bekannt, jedoch ist uns überliefert, dass er dieses Stück für den Posaunisten August Bruns, dessen Spiel in Verbindung mit Belcke gebracht wird, geschrieben hat.

Merkel hingegen war Schüler von Robert Schumann und gilt als berühmter Organist und Improvisator seiner Zeit, dessen Ruhm in ganz Europa und Amerika bekannt war. Der Organist und Pianist Max Peters (1849–1927) widmete seine Elegie Op. 9 dem kaiserlichrussischen Posaunenvirtuosen Rudolf Ziebarth und verbrachte die letzten Jahren seines Lebens in Charlottenburg, Berlin, wo zu dieser Zeit ebenfalls Paul Weschke wohnte. Ob sie sich wohl begegneten?

Eine wesentliche Rolle für das Posaunenvirtuosentum im westlichen Deutschland spielten Leopold Mitsching (1865–1922) Hof-Instrumentenmacher in Wuppertal-Elberfeld und sein Schüler Franz Kuhn (?–1955). Mitsching konzipierte zusammen mit dem Posaunenvirtuosen Serafin Alschausky (1879–1948) ein Posaunenmodell deutschromantischer Bauweise, das von Franz Kuhn weiterentwickelt wurde und in Bremen bei der Blechblasinstrumentenbau-Firma Herbert Lätzsch als das «Kuhn-Modell» handgefertigt und in ganz Deutschland schnell verbreitet wurde.

Der Instrumentenmachermeister Herbert Lätzsch wurde zum Ehrenobermeister der Bremer Handwerkskammers ernannt. Das Kuhn-Modell wurde 1902 für das berühmte Posaunensolo der dritten Symphonie Mahlers bei ihrer Erstaufführung zu Gehör gebracht. Heute hören Sie eine originale Franz Kuhn-Posaune aus den 1920er Jahren zusammen mit der historischen Sauer-Orgel (gebaut 1928) im Bremer Glockesaal, welcher 1926 fertiggestellt wurde.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
©2023

Verein Kollegiorgel Schwyz
Kontakt:

Freundeskreis Kollegiorgel Schwyz
Peter Fröhlich
Krummfeld 36
6423 Seewen

Tel.: +41 (0)41 811 60 44

Mail: praesident(at)kollegiorgel.ch
Unsere IBAN-Nummer lautet:

CH65 0077 7007 1176 5136 3
(Schwyzer Kantonalbank, 6431 Schwyz)